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„Frei-heit“ – Ein ästhetisches Projekt im Spannungsfeld von Kunstvermittlung und ästhetischer Erfahrungsbildung


Im Kontext der Ausstellung JULY, IV, MDCCLXXVI von Danh Vo wurde eine performative Annäherung an eine künstlerische Arbeit im musealen Kontext durch Grundschulkinder zweier dritter Klassen der Carl-Anton-Henschel-Schule (Klassenleitung Anette Krebs, Katja Sauer) erprobt. Die Begegnung mit der künstlerischen Arbeit war Impuls für eigene Recherchen und die gestalterische Ausformung individueller Sinnschöpfungen. D.h. es ging nicht in erster Linie um die Vermittlung künstlerischer Intentionen, sondern um eine imaginative Befragung des eigenen Horizontes angesichts eines künstlerischen Erfahrungsraums. Unter der Anleitung von Studierenden und Referendar/innen erstellten die Schüler/innen in einer Reihe von Workshops eigene künstlerische Arbeiten und Kommentare, die am Freitag 9. Dezember um 11 Uhr in der Kunsthalle Fridericianum den Gästen der Kinder und dem interessierten Publikum präsentiert wurden.

An diesem institutionsübergreifenden Projekt beteiligten sich das Studienseminar Kassel (Birgit Hieke, Uwe Reiners), das Institut für Musik der Universität Kassel (Prof. Dr. Andreas Brenne) und die Kunsthalle Fridericianum (Sandra Ortmann, Vermittlung). Es ging nicht nur um die Erprobung innovativer Vermittlungsformen sondern auch um die Implementation ästhetisch-künstlerischer Bildungsangebote in die Aus- und Fortbildung von Lehrer/innen unter Einbeziehung der lokalen Kulturträger. Die Auslotung von Freiheitswerten ist sowohl Gegenstand der Arbeit von Danh Vo als auch zentrales Movens einer partizipativ ausgerichteten Schulentwicklung.

Kooperation August-Fricke-Schule und Kunsthalle Fridericianum

Ausgehend von der Ausstellung JULY, IV, MDCCLXXVI von Danh Vo sammelten Schüler/innen der August-Fricke-Schule Kassel Assoziationen, die zu weiteren künstlerischen Aktivitäten führten. In der Auseinandersetzung mit der Arbeit WE THE PEOPLE, dem Nachbau der Freiheitsstatue, die in zerlegtem Zustand zu sehen war, wurden sie dazu angeregt individuelle Ausdrucksformen zu entwickeln und für andere sichtbar zu machen. Bei der Wahl der Medien, der Darstellungsformen und auch dem Thema des Endproduktes wurde im Sinne einer Teilhabe/Partizipation ergebnisoffen gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler besuchen die 6. Klasse einer Förderschule, deren vorrangiger Bildungsauftrag die Erlangung einer weitestgehenden Selbstständigkeit ist. Partizipation steht dabei in enger Korrelation zur Selbstständigkeit.   

Das Projekt und die Partizipationsfortschritte werden auf der Präsentationstagung "BuKo 12 Part 03" am 27. Januar 2012 in der Pädagogischen Hochschule Heidelberg vorgestellt.  Das Projekt wird von Felix Löber durchgeführt und findet in Kooperation mit Sandra Ortmann (Kunstvermittlung, Kunsthalle Fridericianum) sowie Gila Kolb (Promotionskolleg "Gestalten und Erkennen. Kompetenzbildung in den künstlerischen Fächern und Fachbereichen der Schule", LMU München und FAU Nürnberg/Erlangen) statt.

untitled (magazin) 2011

Vermittlungsprojekt mit der Herderschule Kassel

Am 3. Februar 2011 starteten die Kunsthalle Fridericianum und das Oberstufengymnasium Herderschule Kassel eine Kooperation zum Thema Vermittlung zeitgenössischer Kunst von und mit Jugendlichen.

Das mehrstufige Vermittlungs- und Kunstprojekt bot unter der Leitung von Sandra Ortmann und Gila Kolb den Schüler/innen des Kunstgrundkurses der Jahrgangsstufe 12 von Dr. Andrea Bette die Möglichkeit, als Multiplikator/innen der zeitgenössischen Kunst zu fungieren, gab ihnen einen Einblick in die Arbeit der Institution Kunsthalle und resultierte in der Produktion einer Zeitschrift für junge Kunst.

Unter dem Titel untitled (magazin) 2011. Eine Auseinandersetzung von Schüler/innen der Herderschule Kassel mit zeitgenössischer Kunst in einer Kooperation mit der Kunsthalle Fridericianum erstellten die Schüler/innen kreative Beiträge, Kritiken und Fotografien zu den Ausstellungen von Teresa Margolles, Andro Wekua und Nina Canell.

Sie erhielten einen Einblick in die Arbeit der Institution und wurden zu Expert/innen und Kritiker/innen. Dazu gehörten performative Übungen zum Thema Vermittlung, der Besuch einer Pressekonferenz, Interviews mit dem Künstlerischen Leiter Rein Wolfs und dem Künstler Andro Wekua, das Finden eigener künstlerischer Ausdrucksformen - inspiriert durch die Ausstellungen - und das Erstellen der Zeitschrift über zeitgenössische Kunst. Für die grafische Gestaltung des Druckwerks konnte Georg Reinhardt (Meisterschüler von Prof. Gabriele Franziska Götz, Visuelle Kommunikation, Kunsthochschule Kassel) gewonnen werden.

Beteiligte Schüler/innen: Lena Anacker, Yasmine Bahmad, Tobias Dering, Konrad Draude, Marc Eberwein, Steffen Graser, Sina Heimüller, Virginia Hildebrandt, Franziska Kesper, Lisa Klaus, Vincenzo Kiewning, Daniel Lenz, Lina Müller, Jasmin Muth, Yuliya Nagel, Ann-Christin Rausch, Steven Scharf, Vanessa Scholz, Alina Schweitzer, Maximilian Treffert, Anne Vogel, Janina Worms.

Die Zeitschrift sowie das Projekt wurden mit performativen Aspekten am 27. Mai 2011 im Rahmen der Abendveranstaltung InsideOut Late Night in der Kunsthalle Fridericianum präsentiert.

Das Magazin kann unter vermittlung(at)fridericianum-kassel.de bestellt oder direkt heruntergeladen werden:

[download untitled (magazin) 2011. Größe: 4,39 MB]

Abenteuer Museum

Der Müllsack in der zeitgenössischen Kunst – Kinder als Multiplikator/innen

Schnelle Zeichnungen auf grauen Müllsäcken, der Staub von entleerten Feuerlöschern auf dem Fußboden und grelles Arbeitslicht empfängt die Besucher/innen der Ausstellung THAT DEATH OF WHICH ONE DOES NOT DIE von Matias Faldbakken. Keine einfache Kunst, die hier zu sehen ist, denn zeitgenössische Künstler/innen bedienen sich der Kenntnis des Ausstellungsraumes, seiner Regeln und Brüche. Daher wurden zu Beginn des dreitägigen Herbstferienprojektes „Abenteuer Museum“ mit einer Gruppe von Kindern aus dem Spielhaus Weidestraße im Oktober 2010 zuerst einmal die Regeln vermittelt, wie eine „normale“ Ausstellung eigentlich aussieht, um im zweiten Schritt die Abweichungen von der Norm sichtbar zu machen.

Viele Teilnehmer/innen des Ferienprogramms kamen bereits zum zweiten, einige sogar schon zum dritten Mal mit der Pädagogin Petra Meyer in die Kunsthalle Fridericianum und kannten sich mit zeitgenössischer Kunst schon gut aus: sie wussten, dass bei dieser Art von Kunst das Konzept wichtig ist und Gegenstände aus dem Alltag zu Kunstwerken werden können. Sie waren geübt, genau zu schauen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese mit den anderen Kindern zu diskutieren... mehr

Performative Interventionen

Einwände, Kommentare und Unterbrechungen möchte eine Gruppe von Performer/innen und Student/innen unter der Leitung von Sandra Ortmann durch performative Vermittlungsformate in die Räume der Kunsthalle Fridericianum tragen.  
 
 Die Ergebnisse der Auseinandersetzungen in den aktuellen Ausstellungen präsentieren wir unter dem Titel InsideOut Vermittlung Performative Interventionen jeweils zum Ende der Ausstellungslaufzeit dem Publikum... mehr 

Symposium Kunst [auf] Führen

Performativität als Modus und Kunstform in der Kunstvermittlung

Symposium mit Vorträgen, Workshops und Performances.
Samstag 20. Juni 2009, 10-19 Uhr
Ort: Kunsthalle Fridericianum, Kassel.

Wenn wir die Geschichte der Reflexion über das Performen, das Ausführen und Aufführen als eine doppelte denken, nämlich einmal aus der Sprechakttheorie heraus, einmal aus der Kunstform Performance, dann ist Kunstvermittlung das Feld, in dem sich diese beiden Stränge kreuzen und produktiv machen lassen. 

Performing the Self. Die Vermittlungssituation und die Vermittler_in selbst stellen sich im (Wieder-)Aufführen von historisch gegebenen Handlungsmöglichkeiten her. Gerade in der Suche nach Widerständigkeiten in der Aufführung befindet sich das Agieren der Vermittlung im Kunstraum schon mitten im Terrain der Performance.

Performing the Museum heißt, über die Herstellung der Institution und der Subjekte in der Vermittlungspraxis nachzudenken, es heißt aber auch danach zu fragen, was Vermittlung und die künstlerische Performance mit ihren Erfahrungen von Körper, Raum und Zeit (sich) zu sagen haben.

Das Symposium bot einen Tag mit Vorträgen, Workshops und Performances für  Vermittler_innen, Künstler_innen und andere Interessierte, zur Weiterbildung und zur Vernetzung. Gemeinsam wurden im Austausch über Vermittlungsstrategien verschiedener Personen, Gruppen und Institutionen neue Handlungsweisen in der Vermittlung entwickelt – perform the museum!  mehr

Eine Veranstaltung des Institute for Art Education der Zürcher Hochschule der Künste und der Kunsthalle Fridericianum Kassel. Konzept: Nora Landkammer, Carmen Mörsch, Sandra Ortmann, Anna Schürch, Bernadett Settele.

RÜCKBLICK

Wir freuen uns über die gute Resonanz des Symposiums, mit über 130 Teilnehmer/innen, zahlreichen Vorträgen, Diskussionen und Workshops. Vielen Dank allen Teilnehmer/innen, Referent/innen und Mitarbeiter/innen für das gelungene Symposium.


DOKUMENTATIONEN

Die zweiten Ausgabe des Art Education Research, das eJournal des Institute for Art Education der Zürcher Hochschule der Künste, dokumentiert die Beiträge des Symposiums.

Zu den Performativen Interventionen mit  performativen Vermittlungsformaten vom 29. Oktober 2010 in der Ausstellung BOTH ENDS von Monica Bonvicini ist in Zusammenarbeit mit der Gruppe a7.außeneinsatz eine Broschüre erschienen. Exemplare können unter vermittlung(at)fridericianum-kassel.de angefordert oder als pdf heruntergeladen werden:

[Download Broschüre 9,7MB]