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Die Kunsthalle Fridericianum präsentiert mit Produced by Migros eine erstrangige Auswahl bedeutsamer Werke aus der Sammlung des migros museum für gegenwartskunst Zürich und setzt damit gleichzeitig die eigenen Ausstellungen der letzten Jahre in einen breiteren Kontext. Die Sammlung wartet mit großen Namen wie Maurizio Cattelan, Cady Noland, Christoph Büchel, Urs Fischer, Douglas Gordon, Olaf Nicolai, Rirkrit Tiravanija, Christine Borland, Gustav Metzger und Christopher Wool auf und wurde mit Mitteln des sogenannten Migros-Kulturprozent* des Schweizer Handelsriesen Migros zusammengetragen. Für die Kasseler Ausstellung wurde von Rein Wolfs und Heike Munder eine Auswahl aus den Ankäufen der letzten 20 Jahre getroffen. Raumgroße Installationen werden hier durch eindrucksvolle Skulpturen, Filme, Malerei und Fotografie ergänzt. Diese stammen teils unmittelbar aus Ausstellungen, welche die beiden ersten Direktoren des migros museums für gegenwartskunst Rein Wolfs und Heike Munder kuratierten. Im Zentrum stehen dabei sowohl Fragen nach gesellschaftspolitischer Relevanz als auch Aspekte wie Performativität und Raumbezug. Referenzen zu Kassel ergeben sich nicht zuletzt durch Joseph Beuys, der - vermittelt durch Maurizio Cattelan - für eine Weile ins Fridericianum zurückzukehren scheint.

Die Präsentation in der Kunsthalle Fridericianum widmet sich Fragen zum Verhältnis von Institution, Kunst und Realität. Bezüge zur klassischen Moderne, wie etwa die auf Max Bill zurückgehende raumgreifende Sitzlandschaft von Olaf Nicolai, zeugen zusätzlich von einer ernsthaften Auseinandersetzung mit kunstimmanenten Aspekten wie Form, Farbe und Konzept. Weitere Installationen von Angela Bulloch, Banks Violette und Urs Fischer erweitern das Feld und werden von wichtigen Werken künstlerischer Vorreiter wie Gustav Metzger, Cady Noland und Christopher Wool begleitet. Malerei von Marlene Dumas und Olivier Mosset, Fotografie von Jens Haaning und Daniel Knorr, ein Film von Marijke van Warmerdam und Skulpturen von Valentin Carron vervollkommnen den thematischen Background. Von Christine Borland ist eine Schlüsselarbeit aus ihrem Œuvre zu sehen, von Douglas Gordon eine Teilreplik seiner 1996er Ausstellung im migros museum für gegenwartskunst, von Christoph Büchel, San Keller und Daniel Knorr performative Arbeiten, die sich insbesondere mit dem Sozialen auseinandersetzen.

Die Sammlung des migros museum für gegenwartskunst wurde bereits seit dem Ende der 1970er Jahre nach höchsten Standards aufgebaut. 1977 wurde mit der Halle für internationale neue Kunst (InK) die erste - provisorische - Kunsthalle Zürichs gegründet. Deren Leiter, Urs Raussmüller, lancierte die amerikanische Minimal und Concept Art in der Schweiz und begann diese im Auftrag des Migros-Genossenschafts-Bundes zu sammeln. Nachdem die Räumlichkeiten der InK 1981 einer anderen Nutzung weichen mussten, dauerte es bis 1996, bevor Arina Kowner zusammen mit Rein Wolfs in der ehemaligen Löwenbräu-Produktionsstätte das migros museum für gegenwartskunst aus der Taufe heben konnte. Seit der Gründung des migros museum für gegenwartskunst war die Sammlungstätigkeit direkt mit der eigenen Ausstellungstätigkeit verknüpft. Viele Ausstellungen waren stark produktionsbezogen und raumgreifender Natur. Dieser Ambition entsprechend entwickelte sich auch die Sammlung und zeugt heute von einer Vielzahl an komplexen Werken, die konservatorisch und logistisch nicht immer leicht zu handhaben sind und zudem eine stark kontextbezogene Prägung auf-weisen: Sie sind des Öfteren gestischer Natur und vermitteln eine Haltung des Engagements und einer zeitgenössischen „condition humaine“. Durch ihre besondere Entstehungsgeschichte und die Sonderstellung des Unternehmens Migros als großer privater Schweizer Kulturförderer ist die Sammlung des migros museum für gegenwartskunst auch als programmatisches Statement, ja sogar als ‚dritter Weg’ in der Diskussion um Firmensammlungen, Privatmuseen und die Bedeutung der öffentlichen Kunstsammlungen zu sehen. Während der Ausstellung wird dies am 6. Juli 2011 mit Olaf Nicolai, Dr. Mario Kramer (Sammlungsleiter MMK, Frankfurt) und Rein Wolfs diskutiert. 2008 veröffentlichte das migros museum für gegenwartskunst einen Katalog, der die Sammlung bis dato ausführlich dokumentiert. Neben zahlreichen Abbildungen und Texten, die die einzelnen Arbeiten begleiten, haben sich die Autoren (Tom Holert, Jan Verwoert, Tirdad Zolghadr, Astrid Wege, Philip Ursprung, Dan Fox) zudem in Aufsätzen mit der Thematik des Sammelns von Gegenwartskunst auseinandergesetzt.


*Das Migros-Kulturprozent ist ein freiwilliges Engagement der Migros – dem größten Einzelhändler der Schweiz – in den Bereichen Kultur, Gesellschaft, Bildung, Freizeit und Wirtschaft. Ein langjähriges Engagement des Migros-Kulturprozent ist auch das migros museum für gegenwartskunst, dessen professionelle Sammeltätigkeit bis in die 1970er Jahre zurückreicht und das 1996 in Zürich eröffnet wurde.