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In seiner Einzelausstellung Power Has a Fragrance entwirft Gardar Eide Einarsson ein Szenario, das soziale Konflikte zwischen Individuen und der Gesellschaft, in der sie leben, illustriert, und richtet den Fokus im Speziellen auf Autorität und Entfremdung, in deren Kontext ebenso Gefühle der Angst und Paranoia eingebettet sind. Gemälde und eine Vielzahl großformatiger Grafiken und Drucke stehen in Korrespondenz mit Skulpturen, Leuchtkästen und Neonschriften sowie geräumigen Installationen. Die große Zahl an Werken in der Ausstellung ist ausdrücklich als Einheit konzipiert, so dass das Gewicht von den einzelnen Arbeiten auf deren Zusammenspiel gelenkt wird. Daher kann die Ausstellung auch als eine Collage betrachtet werden, deren Fragmente sich überlagern, ergänzen und neue Verbindungsebenen herstellen. Power Has a Fragrance behandelt keine explizite Gesellschaftsform, sondern bedient sich Ereignissen und Phänomenen, die globale Bedeutung und Wirksamkeit erreicht haben, so dass die USA und Japan – Einarssons Lebensumfeld – ebenso im Visier der Auseinandersetzung stehen wie die jüngsten Kämpfe in den Straßen Bangkoks.

Mit seiner Kunst hinterfragt Gardar Eide Einarsson grundlegende Strukturen sozialer Konflikte in modernen Gesellschaften anhand der Wechselwirkung von Autorität und Rebellion. In den Fokus rücken hierbei Äußerungsformen von Macht, Kontrolle und Unterdrückung, Methoden und Manifestationen von Sub- und Gegenkulturen, aber auch individuelle Personen, die als Diktatoren, Terroristen oder Massen-mörder internationale Bekanntheit erlangten. Während die von Einarsson bevorzugten künstlerischen Medien sehr vielfältig sind und von Malerei und Grafik über Installation, Skulptur, Ready-made-Objekte und Flaggen bis zu Film und Fotografie reichen, ist deren formale und visuelle Erscheinung stark reduziert. Deutlich zeigen sich Minimal Art und die Konzeptkunst der 1960er und 1970er Jahre als seine kunsthistorischen Referenzen und Einarsson führt deren Absicht fort, indem er die einfache und schlichte Form mit einem gewichtigen und mehrere Ebenen eröffnenden Inhalt in Verbindung setzt. Einarssons Motivik entsteht aus Fragmenten, Auszügen aus Texten und Bildern oder Filmen, aber auch Wappen, Zeichen und Symbolen, die er vergrößert, um ihnen eine spezielle Signifikanz zu verleihen. Die Quellen dieser Motive entstammen unserem Alltag und den populären Medien wie dem Internet, Filmen und der Literatur, die auch den Comic einschließt. So finden die Betrachter/innen in seinem Werk beispielsweise frei schwebende Sprechblasen ohne dazugehörigen Körper, Statements als Graffiti oder in Form von Neonschriften, die populären Aufklebern entnommen sind. Besonders in Einarssons Gemälden wird dieser formale Minimalismus durch das häufig auftretende Gegensatzverhältnis von schwarz und weiß visuell untermauert. So erweisen sich in der Ikonografie schlichte geometrische Formen als heraldische Zeichen, wie bei Untitled (Family Crest), 2008, als Ausschnitte von Buchcovermotiven, wie bei The Meaning of Limited War, 2010, und Caligula (Incitatus), 2010 oder als Abbildungen aus Diensthandbüchern der US-amerikanischen Polizei, wie bei Untitled (Lamp Post), 2010, und Baton Exercise 1-9, 2007.

Mit dieser künstlerischen Methode des präzisen und sorgfältigen Auswählens eines Details, eines Ausschnitts, eines Fragments zeigt sich Gardar Eide Einarsson als gewissenhafter Forscher der sozialen (Miss-)Verhältnisse und der häufig kriminellen Erscheinungen, die aus ihnen resultieren. Aufmerksam und bedacht, aber in unver-schnörkelter Konsequenz legt er den Betrachtern eine Thematik vor, die zum Nachdenken anregt und vielschichtige Facetten eröffnet. So strahlt beispielsweise die gewaltige Neonskulptur Caligula (2010) ihre grellen Lettern in den Raum, während man den Namen des berühmten römischen Kaisers und Gewaltherrschers entziffert und dann erfährt, dass als Modell für diese Arbeit die Neonschrift eines mexikanischen Striptease Clubs Pate stand.

Die Ausstellung Power Has a Fragrance reiste vom Astrup Fearnley Museum of Modern Art in Oslo (2010) in das Reykjavik Art Museum (2010) und in die Bonniers Konsthall nach Stockholm (2011), bevor sie bis 11. September 2011 in der Kunsthalle Fridericianum zu sehen ist. Jede Station präsentiert sich in eigener Gestaltung. Die Ausstellung wird von einem Katalog begleitet.